Sonntag, 19. Februar 2017

Toni Erdmann von Maren Ade

Toni Erdmann feierte seine Premiere auf den Filmfestspielen in Cannes und entwickelte sich zum Lieblingsfilm vieler Kritiker. Bei der Preisverleihung ging der Film zwar leer aus, jedoch setzte Toni Erdmann nach dem Festival zu einem weltweiten Siegeszug an. Der Film lief auf unzähligen Festivals, gewann viele Preise, kam in die deutsche Kino und entwickelte sich hierzulande zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres 2016. Das ist ein Leistung, die man nicht hoch genug anrechnen kann. Aber es geht noch besser: Paramount Pictures haben die US Remake Rechte gekauft und der Film ist für den  Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Ganz egal, ob der Film den Oscar gewinnt oder nicht. Der Film ist eine grandiose Erfolgsgeschichte.

Vor diesem Hintergrund lohnt sich eine genaue Betrachtung des Films.

Der Film erzählt in 2 Stunden und 43 Minuten eine Vater / Tochter Geschichte: Ein etwas verschrobener Vater (Peter Simonischek)  besucht seine knalltharte und straighte Tochter (Sandra Hüller) in Rumänien, die dort als Unternehmensberaterin arbeitet, Arbeitsprozesse ´optimiert´ und  Arbeiter entlässt.

Die Begegnung zwischen dem verschrobenen und zu Späßen und Streichen aufgelegten Vater und seiner Business-Tochter entwickelt sich absurd, komisch, lustig und skurril. Man schaut dem Treiben des Vaters mit Belustigung zu. Es entsteht eine latente Schadenfreude wenn der Vater seine Tochter in Verlegenheit bringt. Für beide Schauspieler ist es eine Paraderolle, die sie überzeugend spielen.

Nach einigen Szenen mit ähnlicher Intention, erwartet man eine Annäherung zwischen Vater und Tochter, man erwartet eine Reflexion ihrer Beziehung. Man möchte erfahren warum die Tochter mit so einem unkonventionellen und verschrobenen Vater zu einer knallharten, kalten und emotionslosen Geschäftsfrau geworden ist. Leider gibt der Film keine Antwort auf diese Fragen. Ganz im Gegenteil. Der Film verliert sich in vielen skurrilen Szenen, die immer mehr auf die Spitze getrieben werden. Das ist zwar amüsant und absurd, nimmt dem Film die Tiefe und emotionale Ebene, die er verdient hätte. Weder reflektiert die Tochter ihren Job, noch ihr bisheriges Leben.  Es wäre interessant zu erfahren aus welcher Motivation jemand so einen Job macht. Es geht ihr nicht ums Geld, es geht ihr nicht um Macht und nicht um den perfekten Deal. Wir erfahren leider nicht, was die Frau antreibt. Und wir erfahren auch nicht wie sie ihr Privat und Liebesleben sieht. Das würde ihrem Charakter Tiefe und Emotionen geben. Wenn man darauf verzichtet, bleibt der Charakter blutleer und der Zuschauer wird einer emotionalen Bindung beraubt. Auch wenn die Filmemacherin genau das wollte, nämlich eine kalten und emotionslose Frau zu zeigen, baut sie damit keine Verbindung zum Zuschauer auf. Der Vater konfrontiert die Tochter nicht mit ihrem Leben, was schade ist. Ein einziges Mal wird das Thema Zufriedenheit angerissen, aber leider nicht weiter verfolgt. Der Film verliert sich in absurden Szenen, die irgendwann inflationär werden.

Am Ende der Geschichte findet auch keine richtige Annäherung zwischen Vater und Tochter statt. Die Tochter entwickelt sich als Charakter nicht weiter. Sie ändert ihr Leben nicht und sie bleibt auch bei ihrem Job. Der Vater hat zwar eine (emotionale)  Reise gemacht, indem er die Tochter in Rumänien besucht hat, jedoch bleibt alles ohne Konsequenzen. Der Vater ist wieder in Deutschland und die Tochter geht zum Arbeiten nach Shanghai.

Einige Kritiker haben den Film als Kritik an der Globalisierung und die Hauptdarstellerin als eine tragische Figur gesehen. Beide Punkte konnte ich nicht nachvollziehen. Besonders der Punkt einer tragischen Heldin offenbart sich gar nicht. Die Figur hat weder eine Fallhöhe, noch bewirkt sie etwas heldenhaftes im Film.

Die tollen Schauspieler, vielen absurde und skurrile Szenen machen den Film zwar sehenswert, jedoch lässt er die Zuschauer mit einem faden Geschmack zurück.


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