Sonntag, 19. Februar 2017

Patriots Day von Peter Berg.

Der Film thematisiert den Bombenanschlag auf den Boston Marathon im Jahre 2013, bei dem drei Menschen getötet und 246 verletzt wurden. Der Film vermischt Spielszenen mit tatsächlichen Dokumentaraufnahmen. Die Macher des Films bemühen sich allen Beteiligten gerecht zu werden. So werden am Anfang des Films viele Charaktere, die im Verlauf des Films und des Bombenattentats eine Rolle spielen werden, vorgestellt. Auch die beiden Bombenattentäter kriegen eine kurze Charakterbeschreibung.  Dabei orientieren sich die Macher an realen, leben Personen. Diese Charaktereinführung ist leider ein wenig zu lang geraten und macht es dem Zuschauer schwer in den Film einzusteigen. Mit dem Aufbau der Marathonstrecke beginnt der Film spannend zu werden. Obwohl man weiß was passiert, schafft es der Regisseur langsam die Spannung aufzubauen, die mit den beiden Explosionen einen Höhepunkt findet.  Anschließend wird der im Film der Film rasant und packend. Dem Regisseur gelingt es eine beängstigende und spannende Atmosphäre zu erzeugen. Dabei bedient er sich einer unruhigen Handkamera und einer treibenden Musik.  Die Kamera zeigt den Bombenanschlag und die Folgen in harten und stellenweise brutalen Aufnahmen. Man sieht Blut, und abgetrennte Gliedmaße.

Als Protagonisten wählten die Macher des Films einen fiktiven Polizisten, der von Mark Wahlberg überzeugend dargestellt wird. Obwohl Mark Wahlberg nicht grade ein  wandlungsfähiger Schauspieler ist, macht er seine Sache hier gut. Man glaubt ihm den vorlauten, einfachen Polizisten, der sich plötzlich im Auge des Sturms wiederfindet.

Die Jagd nach den beiden Tätern des Bombenanschlags nimmt einen großen Teil des Films ein. Dieses Jagd wird dramatisch und detailliert dargestellt. Wir sehen minutenlange Schießereien, Explosionen und Verfolgungsjagden. Hier findet der Regisseur leider keine gute Balance, diese Szenen sehen sehr reißerisch aus und erinnern an Hollywood Actionfilme. An dieser Stelle wäre weniger mehr gewesen.

Am Endes des Films werden die realen Charaktere in Interviews gezeigt. Sie erzählen in die Kamera, wie das Bombenattentat ihr Leben verändert hat. Der Unterton bleibt jedoch immer gleich. Patriotismus und  das Zusammengehörigkeitsgefühl  steht über allem. Viele Zuschauer werden diese Szenen als übertriebenen US Patriotismus empfinden, andere werden die emotionale Tragweite der Charaktere und ihren Lebenswillen nachempfinden können.




Hacksaw Ridge

Hacksaw Ridge von Mel Gibson.

Der Film erzählt die wahre Geschichte eines Sanitäters, der im zweiten Weltkrieg fünfundsiebzig Soldaten das Leben gerettet hat. Was die Geschichte besonders macht, ist die Tatsache, dass der Retter während des ganzen Krieges keine Waffe angefasst, geschweige denn einen Schuss abgefeuert hat. Klingt unwahrscheinlich, ist aber wahr. Der Sanitäter Desmond Doss hat sich nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour freiwillig zur Armee gemeldet. Er wollte seinem Land dienen, aber nur als Sanitäter ohne eine Waffe anzufassen. Die Armee wusste wahrscheinlich nicht genau worauf sie sich da einließ, aber da im Krieg viele junge Männer gebraucht wurden, hat man bei Desmond Doss wohl  nicht genau hingeschaut oder hingehört.

Der Film beginnt mit einer Charakterzeichnung des Hauptdarstellers Desmond Doss, hervorragend gespielt von Andrew Garfield, den wir aus ´The Social Network´ und ´Spiderman´ kennen. Wir sehen in kurzen Szenen das einfache Leben der Familie auf einer Farm, den trinkenden und gewalttätigen Vater und die leidende Mutter. Vielleicht liegen diese Szenen nah an der Wahrheit, jedoch wirken sie im Film sehr klischeehaft. Man hat solche Szenen schon in unzähligen anderen Filmen gesehen. Genauso wie die folgende Szenen:  Der junge Desmond Doss verliebt sich in eine Krankenschwester, dann meldet er sich freiwillig zur Armee, die Krankenschwester schenkt ihm zum Abschied eine Bibel mit einem Foto von sich. Auch hier liegt man wohl sehr nah an der Wahrheit, leider wirken diese Szenen so, als hätte die US Armee den Film produziert.

Es folgen Kasernen und Grundausbildugsszenen des Hauptdarstellers mit allen dazugehörigen Schikanen, Hänseleien und Anfeindungen seiner Vorgesetzten und Kameraden. Auch solche Szenen kennt man aus anderen Filmen.

Im letzten Akt des Films wird der Krieg in aller seiner Härte und Brutalität gezeigt. Wir sehen extrem blutige Gefechte, in denen die Soldaten im Sekundentakt erschossen werden. Man sieht Kopfschüsse, explodierende Granaten, die die Soldaten auseinanderreißen, herausquellende Gedärme, verbrennende Soldaten und so weiter. Der Regisseur traf die Entscheidung  die Kampfszenen in aller Brutalität zu zeigen.  So wie Steven Spielberg es auch in ´Saving Private Ryan´ getan hat. Das war aber vor neunzehn Jahren, damals wirkten diese Szenen dokumentarisch, brutal und technisch innovativ. Die Kampfszenen hier wirken nur brutal. Trotzdem verfehlen sie ihre Wirkung nicht. Der Zuschauer erlebt den Horror und Wahnsinn des Krieges an vorderster Front. In diesem Gemetzel kann sich der Hauptdarsteller endlich beweisen. Er rettet 75 GIS das Leben. Das wirkt sehr heroisch, Mel Gibson stilisiert diese Rettungsszenen als eine Art göttliche Mission.

Am Ende des Films sieht man in Dokumentaraufnahmen den echten Desomd Doss. Er kriegt die höchste Auszeichnung vom Präsidenten der Vereinigten Staaten und er erzählt in kurzen Passagen, wie er  immer wieder zu Gott gebetet hat ihm die Kraft zu geben seine verletzen  Kameraden zu retten. Dann kommen die geretteten Kameraden zu Wort. Das ist natürlich hochemotional und sehr berührend.

Toni Erdmann von Maren Ade

Toni Erdmann feierte seine Premiere auf den Filmfestspielen in Cannes und entwickelte sich zum Lieblingsfilm vieler Kritiker. Bei der Preisverleihung ging der Film zwar leer aus, jedoch setzte Toni Erdmann nach dem Festival zu einem weltweiten Siegeszug an. Der Film lief auf unzähligen Festivals, gewann viele Preise, kam in die deutsche Kino und entwickelte sich hierzulande zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres 2016. Das ist ein Leistung, die man nicht hoch genug anrechnen kann. Aber es geht noch besser: Paramount Pictures haben die US Remake Rechte gekauft und der Film ist für den  Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Ganz egal, ob der Film den Oscar gewinnt oder nicht. Der Film ist eine grandiose Erfolgsgeschichte.

Vor diesem Hintergrund lohnt sich eine genaue Betrachtung des Films.

Der Film erzählt in 2 Stunden und 43 Minuten eine Vater / Tochter Geschichte: Ein etwas verschrobener Vater (Peter Simonischek)  besucht seine knalltharte und straighte Tochter (Sandra Hüller) in Rumänien, die dort als Unternehmensberaterin arbeitet, Arbeitsprozesse ´optimiert´ und  Arbeiter entlässt.

Die Begegnung zwischen dem verschrobenen und zu Späßen und Streichen aufgelegten Vater und seiner Business-Tochter entwickelt sich absurd, komisch, lustig und skurril. Man schaut dem Treiben des Vaters mit Belustigung zu. Es entsteht eine latente Schadenfreude wenn der Vater seine Tochter in Verlegenheit bringt. Für beide Schauspieler ist es eine Paraderolle, die sie überzeugend spielen.

Nach einigen Szenen mit ähnlicher Intention, erwartet man eine Annäherung zwischen Vater und Tochter, man erwartet eine Reflexion ihrer Beziehung. Man möchte erfahren warum die Tochter mit so einem unkonventionellen und verschrobenen Vater zu einer knallharten, kalten und emotionslosen Geschäftsfrau geworden ist. Leider gibt der Film keine Antwort auf diese Fragen. Ganz im Gegenteil. Der Film verliert sich in vielen skurrilen Szenen, die immer mehr auf die Spitze getrieben werden. Das ist zwar amüsant und absurd, nimmt dem Film die Tiefe und emotionale Ebene, die er verdient hätte. Weder reflektiert die Tochter ihren Job, noch ihr bisheriges Leben.  Es wäre interessant zu erfahren aus welcher Motivation jemand so einen Job macht. Es geht ihr nicht ums Geld, es geht ihr nicht um Macht und nicht um den perfekten Deal. Wir erfahren leider nicht, was die Frau antreibt. Und wir erfahren auch nicht wie sie ihr Privat und Liebesleben sieht. Das würde ihrem Charakter Tiefe und Emotionen geben. Wenn man darauf verzichtet, bleibt der Charakter blutleer und der Zuschauer wird einer emotionalen Bindung beraubt. Auch wenn die Filmemacherin genau das wollte, nämlich eine kalten und emotionslose Frau zu zeigen, baut sie damit keine Verbindung zum Zuschauer auf. Der Vater konfrontiert die Tochter nicht mit ihrem Leben, was schade ist. Ein einziges Mal wird das Thema Zufriedenheit angerissen, aber leider nicht weiter verfolgt. Der Film verliert sich in absurden Szenen, die irgendwann inflationär werden.

Am Ende der Geschichte findet auch keine richtige Annäherung zwischen Vater und Tochter statt. Die Tochter entwickelt sich als Charakter nicht weiter. Sie ändert ihr Leben nicht und sie bleibt auch bei ihrem Job. Der Vater hat zwar eine (emotionale)  Reise gemacht, indem er die Tochter in Rumänien besucht hat, jedoch bleibt alles ohne Konsequenzen. Der Vater ist wieder in Deutschland und die Tochter geht zum Arbeiten nach Shanghai.

Einige Kritiker haben den Film als Kritik an der Globalisierung und die Hauptdarstellerin als eine tragische Figur gesehen. Beide Punkte konnte ich nicht nachvollziehen. Besonders der Punkt einer tragischen Heldin offenbart sich gar nicht. Die Figur hat weder eine Fallhöhe, noch bewirkt sie etwas heldenhaftes im Film.

Die tollen Schauspieler, vielen absurde und skurrile Szenen machen den Film zwar sehenswert, jedoch lässt er die Zuschauer mit einem faden Geschmack zurück.